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Zahnhygiene e.V.

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Rede: Mario J. PerinelliLaudatio Dr. Erika Reihlen (Tholuck-Medaille)

Tag der Zahngesundheit, Berlin, 20. September 2000

Meine sehr verehrten Damen, meine Herren,
der Tag der Zahngesundheit, den wir heute zum zehnten Mal begehen, bietet dem Verein für Zahnhygiene e.V. – und mir als dessen Vorsitzenden – eine willkommene und wie ich meine, auch eine angemessene Plattform für die Verleihung der Tholuck-Medaille, der einzigen Auszeichnung auf Bundesebene für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Zahngesundheitserziehung und – aufklärung. Man spricht zwar heute nicht mehr so gerne von Gesundheitserziehung. Die Leute – und erst recht die jungen Leute – wollen nicht mehr erzogen werden...

Es gilt das gesprochene Wort

Meine sehr verehrten Damen, meine Herren,

der Tag der Zahngesundheit, den wir heute zum zehnten Mal begehen, bietet dem Verein für Zahnhygiene e.V. – und mir als dessen Vorsitzenden – eine willkommene und wie ich meine, auch eine angemessene Plattform für die Verleihung der Tholuck-Medaille, der einzigen Auszeichnung auf Bundesebene für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Zahngesundheitserziehung und – aufklärung. Man spricht zwar heute nicht mehr so gerne von Gesundheitserziehung. Die Leute – und erst recht die jungen Leute – wollen nicht mehr erzogen werden. Es gibt sogar wissenschaftliche Veröffentlichungen, die der Zahngesundheitserziehung überhaupt jeden Nutzen absprechen. Und doch beruht jede Karies und Parodontitis im Grunde auf Verhaltensfehlern, die zu bereinigen wir alle uns bemühen. Auch der Entschluss, vom Zahnarzt auf eigene Kosten eine professionelle Prophylaxe durchführen zu lassen, ist Ergebnis eines Informations- und Motivationsprozesses, den wir in den Rahmen der Zahngesundheitserziehung stellen. Das gilt erst recht für die schwer erkämpfte, aber dann doch mit großer Erleichterung getroffene Entscheidung eines Dreijährigen, seinen Schnuller für immer dahinzugeben.

Ich hoffe, es ist einsichtig, dass die Tholuck-Medaille eine Auszeichnung für Leistungen ist, welche die Gesundheit unserer Zähne in ganz fundamentaler Weise betreffen. Heute darf ich sie an eine Meisterin ihres Faches überreichen, deren Namen in ganz Deutschland einen ausgezeichneten Klang besitzt und deren Erfolge auf dem Gebiet der Verhaltensbeeinflussung – sprich Zahngesundheitserziehung – uneingeschränkt anerkannt werden. Sie werden den Namen sofort erraten, wenn ich zwei Stichworte nenne: Schnullerwand und KAI-Methode... (-Richtig!) Es handelt sich um Frau Medizinaldirektorin Dr. Erika Reihlen, gegenwärtig Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft zur Verhütung von Zahnerkrankungen in Berlin.

Sehr geehrte Frau Dr. Reihlen, ich freue mich sehr, dass in diesem Jahr Sie die neue Trägerin unserer Auszeichnung sind. Schließlich arbeiten wir seit Jahrzehnten höchst angenehm zusammen und auch unsere demnächst neu erscheinenden Unterrichtseinheiten werden ja zum Teil Ihre Handschrift tragen. – Also herzlichen Glückwunsch!

Die Tholuck-Medaille, meine Damen und Herren – lassen Sie mich das zunächst noch sagen -, wurde vom Verein für Zahnhygiene e.V. im Jahr 1973 gestiftet und im selben Jahr zum ersten Mal, in Anwesenheit der Witwe Tholucks, an Herrn Dr. Dr. Karl-Michael Hartlmaier, den damaligen Chefredakteur der "Zahnärztlichen Mitteilungen" und Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Presse des Bundesverbandes der Deutschen Zahnärzte in Köln, verliehen. Seither ist die Medaille 18mal an Persönlichkeiten überreicht worden, die auf dem Gebiet der Aufklärung Hervorragendes geleistet haben. Sie soll an den Nestor der westdeutschen Jugendzahnpflege und ehemaligen Geschäftsführer des Deutschen Ausschusses für Jugendzahnpflege, Herrn Obermedizinalrat in Ruhe Dr. Hans-Joachim Tholuck, erinnern, der von 1957, dem Jahr der Gründung des Vereins für Zahnhygiene, bis 1972, seinem Todesjahr, eng mit dem VfZ zusammengearbeitet und ihn in den Kreis der professionellen Aufklärungsorganisationen eingeführt hat.

Die Verleihung der Medaille erfolgte bis 1993 im zweijährlichen Rhythmus im Rahmen unserer Fortbildungsveranstaltungen, seit 1993 alljährlich anlässlich der Auftaktveranstaltung zum Tag der Zahngesundheit. Die Wahl des Preisträgers – bzw. der Preisträgerin – erfolgt durch den Arbeitskreis Zahnmedizinische Information, dem Vertreter der Bundeszahnärztekammer, des Bundesverbandes der Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege, der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und des Vereins für Zahnhygiene angehören.

Doch nun zu Frau Dr. Reihlen:

Frau Dr. Erika Reihlen wurde 1936 in Brühl im Rheinland geboren. Das Abitur bestand sie 1956 in Köln, und anschließend studierte sie ebendort und in Freiburg Zahnmedizin. Staatsexamen und Promotion erfolgten 1961 wiederum in Köln. Im selben Jahr heiratete sie Herrn Dr.-Ing. Helmut Reihlen. – Das Thema ihrer Dissertation lautete übrigens: "Innerviert der Nervus nasoplatinus Scarpae die Pulpen der oberen Schneidezähne?"

Nachdem Frau Dr. Reihlen zwischen 1962 und 1966 drei Kindern das Leben geschenkt hatte, widmete sie sich zunächst deren Pflege und Erziehung. 1976 trat sie dann als Jugendzahnärztin in den öffentlichen Gesundheitsdienst ein. 1983 beendete sie ihre Weiterbildung zur Zahnärztin für öffentliches Gesundheitswesen und 1984 wurde sie zur Medizinaldirektorin ernannt.

Einen wichtigen Abschnitt in ihrem beruflichen Leben stellen die Jahre 1985 bis 1989 dar, in denen sie Stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Kinderzahnheilkunde und Prophylaxe in der DGZMK war. In diesem Zeitraum diskutierte und veröffentlichte die Arbeitsgemeinschaft einen Stufenplan für den Auf- bzw. Ausbau der Kinderzahnheilkunde und Prophylaxe an den bundesdeutschen Universitätszahnkliniken, einen Gegenstandskatalog für das Fachgebiet Kinderzahnheilkunde und Prophylaxe und ein Grundsatzpapier "Strukturelle Voraussetzungen für eine effiziente Jugendzahnpflege". Letzteres wurde dem Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung und der Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit zugeleitet; es hat seinen deutlichen Niederschlag im Gesundheitsreformgesetz von 1988 bzw. 1989 gefunden.

Ich erwähnte schon, dass Frau Dr. Reihlen Vorsitzende der hiesigen Landesarbeitsgemeinschaft zur Verhütung von Zahnerkrankungen ist. Diese Position hat sie erst seit 1999 inne. Sie vertritt das Land Berlin aber bereits seit 1984 in diesem Gremium bzw. dessen Vorläufer. Darüber hinaus ist sie Koordinatorin der Berliner Jugendzahnpflege beim Senat von Berlin und schließlich, schon seit 1976, Leiterin des Zahnärztlichen Dienstes in Berlin-Steglitz.

In Steglitz befand – oder befindet – sich auch die berühmte Schnullerwand, von der ich eingangs sprach. Es war und ist Frau Dr. Reihlen ein ganz besonderes Anliegen, neben der Kariesprophylaxe auch der Verhütung von Fehlstellungen im kindlichen Gebiss ihren angemessenen Platz einzuräumen. Deshalb klärt sie nicht nur Mütter über dieses Problem auf, sondern sie bemüht sich auch, im persönlichen Kontakt mit in dieser Hinsicht "schwierigen" Kindern deren Verhalten positiv zu beeinflussen. Ergebnis war eine ganze Wand voller Schnuller und Sauger, die Frau Dr. Reihlen von Kindern geschenkt bekommen hatte mit dem Versprechen, in Zukunft nicht mehr zu lutschen. Man kann sagen, dass nicht wenige Kinder richtig stolz darauf waren, an diesem Ehrenplatz vertreten zu sein. Wenn das kein Erfolg professioneller Zahngesundheitserziehung ist...!

Auch die Tatsache, dass heute in fast allen – oder allen? – Bundesländern Zähneputzen nach der KAI-Methode gelehrt wird, ist mit Sicherheit der jahrelangen, hartnäckigen Überzeugungsarbeit von Frau Dr. Reihlen zu verdanken. Dass sie wirklich überzeugen kann, beweist nicht zuletzt der Umstand, dass auch der Verein für Zahnhygiene alle seine Aufklärungsmittel von der traditionellen "Außen-innen-oben-drauf-Methode" auf KAI umgestellt hat – wobei ich allerdings nicht verschweigen will, dass auch Frau Dr. Makuch aus Leipzig dazu beigetragen hat.

Wer derart weitreichenden Einfluss ausübt, dem bleiben Ehrungen nicht erspart. Abgesehen davon, dass Frau Dr. Reihlen 1992 in den Wissenschaftlichen Beirat der Informationsstelle für Kariesprophylaxe im Deutschen Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ) berufen wurde und dass sie auch im Gesundheitsprojekt des Landes Brandenburg "Regie-Kompetenz kommunaler Gesundheitsämter" beratend mitwirkt, erhielt sie 1993 die Ehrennadel der deutschen Zahnärzteschaft in Gold und 1994 das Ehrenzeichen des Bundesverbandes der Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.

Dass Frau Dr. Reihlen zahlreiche Fachartikel veröffentlicht hat, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung. Erwähnt seien aber doch noch drei ihrer Ehrenämter: Sie ist Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages, dessen Präsidentin sie von 1991 bis 1993 war; sie ist Vizepräsidentin der Evangelischen Akademie zu Berlin; und schließlich gehört sie auch dem Vorstand des Berliner Frauenhauses BORA an – mein besonderer Respekt vor diesem umfassenden Engagement!

Zum Schluss darf ich kurz den Text der Urkunde zur Verleihung der Tholuck-Medaille verlesen: Wenn Sie jetzt bitte zu mir kommen würden…


Für weitere Informationen

Verein für Zahnhygiene e.V.
Dr. Matthias Lehr
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D-64293 Darmstadt
Tel.: (06151) 1 37 37-10
Fax: (06151) 1 37 37-30
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